TATORT AMAZONIEN: Völkermord an den Jupaú
Kulturen sterben, Sprachen sterben, Naturvölker sterben: kulturelle Vielfalt verschwindet unwiderruflich! Anlässlich des 60. Jahrestages zur Erklärung der allgemeinen Menschenrechte der UN vom 10.12.1948 fragen wir nach: Heute stehen die Völker der Waorani in Ecuador, die Akuntsu in Brasilien oder die der Ayoreo in Paraguay und viele weitere Völker ohne Kontakt zur westlichen Zivilisation kurz vor einem erneuten Genozid, wenn nicht schnell gehandelt wird. Die Auslöschung ganzer Völker geschah auch schon mehrmals zuvor! Ein trauriges Beispiel sind die Jupaú. Aber hat die selbst ernannte „Zivilgesellschaft“ aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt? Sind wir überhaupt bereit und fähig dazu aus den Genoziden der Vergangenheit zu lernen? Ein Rückblick in die Folgen der Kontaktierung und Missionierung der „Indianer-Stämme“ in Brasilien soll in Erinnerung gebracht und Wege aufgezeigt wie die verbliebenen Völker geschützt werden können.
Ein Rückblick:
In Brasilien hatte die Weltbank das Umsiedlungsprojekt „Polonoroeste“ von 1982 bis 1984 mit 434,3 Millionen Dollar finanziert. Hunderttausende Menschen folgten den Verlockungen ins Amazonasbecken mit Macheten, Äxten und Kettensägen. Zur Verbesserung der Infrastruktur wurde die Straße BR-364, die Todesstraße gebaut. Als Folge ereignete sich eine der größten Katastrophen in der Regenwaldgeschichte. Waren 1982 vier Prozent des Waldes in Rondonia abgeholzt, waren es 1985 bereits elf Prozent. Die entwaldeten Gebiete nahmen weiter extrem zu. Selbst die Weltbank bezeichnete ihr Projekt im Nachhinein als „eine ökologische, menschliche und wirtschaftliche Katastrophe von erschreckenden Ausmaßen“.
Was geschah, war Urwaldvernichtung pur! Bei vielen Völkern war es weniger der Rauch, der ihnen angesichts solchen „Fortschritts“ die Tränen in die Augen trieb. Ihre Empfindungen, die sie angesichts ihrer vernichteten Wälder verspürten, waren Schmerzensschreie, die ungehört in der Welt und den Medien verhallten. Der unerbittliche Klang von tödlichem Stahl oder prasselnden Feuers, das sich in das Fleisch Jahrhunderte alter Urwaldriesen fraßen, verkündete das Ende ihrer traditionellen Existenz und damit auch ihrer Zukunft. Fassungslos und ohnmächtig standen sie den aggressiven Methoden der Eindringlinge gegenüber. Was zurück blieb, waren verwüstete Landschaften, tote Flüsse, verschwundene Tiere, Heil- und Nahrungspflanzen, hungrige, kranke, entwurzelte und verzweifelte Menschen. Manchmal auch gar nichts mehr.
1993 berichtete FdN: (...) Der erste Kontakt, so die offizielle Verharmlosung, mit einem Stamm der Quagahyb – ein Tupi-Guarani sprechendes Volk der Indianer Brasiliens – liegt erst ein gutes Jahrzehnt zurück. Es sind die Jupaù, deren wohlklingender Zweitname „Uru-Eu Wau Wau“ lautet. Das Polonoroeste Projekt mit dem gigantischen Straßenbauvorhaben geriet ihnen zum Verhängnis. Sie lebten auf dem Zentral-Relief Rondonias, zwischen den Distrikten
Guajará-Mirim, Costa Marques, Nova Mamoré, Monte Negro, Cacaulândia, Governador
Jorge Texeira, Mirante da Serrra, Jaru und Alvorada do Oeste. Damals betrug die Größe des Volkes etwa 800 Menschen. Mindestens 15 von ihnen bezahlten die Kontaktaufnahme sofort mit dem Leben. Der Rest siechte langsam dahin an ansteckenden Zivilisationskrankheiten, wie Mumps, Masern, Grippe und Lungenentzündung. Heute zählen die Jupaú noch 40 bis 60 Seelen. (...)
Besonders bedroht durch Missionare und anhaltenden Lebensraumverlust sind die einzigen noch unkontaktierten Naturvölker in Südamerika außerhalb Amazoniens: die Waldindianer der Ayoreo in Paraguay. Ein Landkaufprojekt unterstützt von Freunde der Naturvölker geht seinen Weg. Werden auch Sie in Ihrer Hilfe konkret um die letzten Kulturen unserer Erde zu schützen! Kennwort: Ayoreo
Eine konkrete Projektbeschreibung finden Sie unter: HYPERLINK "http://www.naturvoelker.org"
http://www.naturvoelker.org unter Projekte „Südamerika“