
Seit einem Monat existiert eine Ratgeberseite vom Suchpool DDR Bürger. Diese Idee entstand aus der Not heraus. Durch unseren Ratgeber sollen die Kosten für die Suche nach Angehörigen verringert werden.
Das Team vom Suchpool möchte mit den Betroffenen Hand in Hand arbeiten. Auf der Website http://www.siebenherz-hilft.de stellen wir verschiedene Hilfsangebote vor, die die Suche nach Angehörigen und Freunden erleichtern.
Des Weiteren bieten wir dreimal wöchentlich Beratung am Telefon an. Es besteht die Möglichkeit, für Betroffene und Suchende, sich telefonisch von unseren Mitarbeitern beraten zu lassen.
Beratungszeiten sind Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 18 Uhr bis 20 Uhr. Die Telefonnummern und den jeweiligen Ansprechpartner entnehmen Sie bitte der Startseite von http://www.suchpool-ddr-buerger.info.

Hauptziel des Suchpool DDR Bürger ist die Aufklärung von Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR.
Die DDR war ein kommunistischer Staat, der nach der Trennung Deutschlands 1949 gegründet wurde. In der DDR wurden grundlegende Menschenrechte nicht jedem gewährt. Besonders Regimegegner mussten gegen zahlreiche Ungerechtigkeiten kämpfen.
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 wurden viele Initiativen gegründet, um das öffentliche Bewusstsein auf diese vielfältigen Formen des Menschenrechtsmissbrauchs zu lenken. Der Suchpool DDR Bürger ist eine dieser Initiativen. Er wurde im Januar 2008 gegründet, um Bürger der ehemaligen DDR zu unterstützen, die während der kommunistischen Herrschaft von Familienmitgliedern oder Freunden getrennt wurden.
Warum nun müssen Menschen Verwandte oder Freunde suchen?
In der DDR ‚verschwanden’ viele Regimekritiker oder deren Familienangehörige unter mysteriösen Umständen. Kinder wurden weggenommen und anderen Familien gegeben ohne den Kontakt zu ihren eigentlichen Eltern. Väter wurden verschleppt und kamen nie zurück. Säuglinge wurden absichtlich für tot erklärt und dann von regimefreundlichen Familien adoptiert. Diese und andere ähnliche Geschichten müssen erzählt werden, Verwandte und Freunde müssen gefunden und Familien wieder zusammengeführt werden.
Der Suchpool versucht Öffentlichkeit für diese Geschichten herzustellen und Betroffenen zu helfen, ihre Lieben wieder zu finden. Seit dem Start des Suchpools konnten 489 Personen gefunden werden. Viele mehr benötigen noch unsere Hilfe.
Sie werden sich fragen, warum wir Sie mit dieser besonderen deutschen Geschichte kontaktieren.
Da die DDR erst 1990 endete, haben viele Kräfte in Deutschland ein Interesse daran, negative Aspekte unserer Geschichte versteckt zu halten. Deshalb ist es für Initiativen wie unsere schwierig, Gehör in Deutschland zu bekommen.
Die Zeit vergeht und jeden Tag wird es schwieriger, Spuren der vermissten Menschen zu finden. Deshalb müssen wir jetzt handeln und können uns nicht leisten zu warten, bis deutsche Politiker sich bequemen zu handeln.
Der Suchpool präsentiert sich derzeit als ein unverzichtbares Angebot für Menschen, die mit dem ihnen als Individuum zugefügten Leid kämpfen.
Das heißt für die Betroffenen:
- das Nichtwissen ist entsetzlicher als das Wissen um die eigene Biographie (keine Ruhe in der Auseinandersetzung finden)
- Menschen, die ihren Familien entrissen wurden (oder auch gewöhnlich adoptiert) und die noch nichts über ihre Herkunft und die Geschehnisse darum wissen, können das Ereignis nicht in ihre Autobiographie integrieren, sondern sind eben durch das fehlende Wissen dazu verdammt, sich ständig Gedanken darum zu machen
Es handelt sich hier um eine Traumatisierung, die nur bewältigt werden kann, wenn die Gesellschaft heute sich bequemt, konsequent und schonungslos, offen über die Missstände in der DDR aufzuklären. Trauma deswegen, weil es sich um einen schwerwiegenden Bruch in der Biographie handelt, die dass Gefühl erzeugen irgendwie "heimatlos" zu sein.
Durch eine Aufklärung über die Ursachen und die Folgen wird den Betroffenen vermittelt, dass ihre Gefühle und Reaktion eine "normale" Antwort auf das geschehene Leid sind. Sie erfahren Anteilnahme, Akzeptanz und können dem Gespenst ihrer Vergangenheit den Schrecken nehmen, indem sie gut informiert sind.
Alle Mitarbeiter des Suchpools sind direkt oder indirekt von der Problematik betroffen und arbeiten ehrenamtlich für dieses Projekt. Durch „ihre Geschichte“ bringen sie die notwendige Qualifikation und Erfahrung mit.

Eva Siebenherz ist 1959 in Dresden geboren.
Von der Mutter als Ebenbild des Vaters abgelehnt, gerät sie als jugendliche Herumtreiberin mit dem Gesetz in Konflikt. Sie heiratete früh, zwei Söhne wurden geboren.
1982 wurde Eva Siebenherz verhaftet, das Sorgerecht für ihre Kinder wurde ihr entzogen. Ein Sohn wurde vom Staat zur Adoption frei gegeben, der zweite wurde dem leiblichen Vater übergeben.
1986 folgte die Ausreise nach Westdeutschland.
Nach dem Fall der Berliner Mauer begann Eva Siebenherz mit der Suche nach ihren beiden Söhnen und dem Vater der Kinder.
Seit 1989 ist sie Frührentnerin, Spätfolgen durch die Haft.
Seit 1995 kämpft diese Frau für die Menschenrechte, einer auch heute noch bestehenden Randgruppe. Diese Randgruppe sind Kinder und Eltern, welche Opfer von Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR sind. Der Staat hat gerade bei diesen Menschen, sowie bei vielen anderen, die Menschenrechte auf das Verwerflichste verletzt, in dem man Eltern die Kinder nahm.
Obwohl fast zwanzig Jahre seit dem Mauerfall vergangen sind, wird ein Großteil dieser Menschen bis heute nicht als politisches Opfer anerkannt.
Die DDR hat sich mit menschenrechtsverletzenden Gesetzen dazu selbst autorisiert.
Eva Siebenherz entdeckte die Schriftstellerei für sich. Um das Erlebte zu verarbeiten, schrieb sie die Autobiographie “Tränen aus Eis”.
Mit diesem Buch möchte Eva Siebenherz anderen Betroffenen, die heute noch nach ihren Angehörigen suchen, aufgegeben haben und krank sind Mut machen. Mut dazu, ihr Leben in die Hand zu nehmen, es neu zu ordnen.
Es lohnt sich, das Leben wird wieder lebenswert und es gibt vielleicht ein Happyend.
Eva Siebenherz möchte mit ihrem Buch versuchen, die öffentliche Diskussion zu diesen Themen zu verstärken und die Politiker auffordern endlich den Betroffenen zu helfen. Andere Opfer von Gewalttaten bekommen seit Jahrzehnten Hilfe, wieso nicht die Betroffenen von Zwangsadoptionen!?
Ein Teil des Erlöses vom Buchverkauf kommt den Suchenden des Suchpool DDR Bürger zugute. Die Suche nach Angehörigen wird zu einem Teil damit finanziert.
Auf rund ihrer Geschichte gründete sie den Suchpool DDR Bürger.




Your Comment